
Claudia Kohler lebt, was sie liebt. Ob zu Fuß oder auf Skiern, im Sommer wie im Winter begleitet sie Menschen draußen in der Natur – dorthin, wo Bewegung frei macht und der Blick weiter wird. Mit viel Erfahrung, Feingefühl und Begeisterung führt sie ihre Gäste durch alpine Landschaften und erzählt von Abenteuern, die herausfordern und lange nachwirken.
Aufgewachsen in Faschina, begann ihre Faszination für den Wintersport schon früh. „Meine Eltern hatten ein Hotel direkt an der Piste, da war der Weg fast vorgezeichnet“, erzählt sie. Über die Skimittelschule in Schruns führte ihr Weg in den ÖSV-Kader und später in den Skigymnasium-Stamm im Arlberg. Auch wenn der Profisport nicht ihr endgültiges Ziel war, blieb der Ski ihr treuer Begleiter.
Nach der Schule absolvierte Claudia die Anwärter- und Landesausbildung zur Skilehrerin. Bald folgten die ersten Jahre im freien Gelände und zwei intensive Saisonen an der Skischule Lech am Arlberg sowie in der Skischule Faschina. Schritt für Schritt nahm ihre Zukunft als Berg- und Skiguide immer klarere Formen an.
Vor einigen Jahren wagte Claudia schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit. Seither arbeitet sie im Winter als Freeride- und Skiführerin – allein oder in kleinen Gruppen – und bringt ihre Gäste sicher und bewusst ins Gelände. Gemeinsam mit Sandra Lanstener organisiert sie zudem spezielle Camps für Frauen, bei denen Gemeinschaft, Vertrauen und Freude an der Bewegung im Mittelpunkt stehen.
Ihr Fokus liegt dabei klar auf dem Naturerlebnis. Ob im Bregenzerwald, im Großen Walsertal oder am Arlberg – Claudia führt achtsam durch alpine Räume. Besonders begeistert erzählen ihre Gäste von Heliskiing-Touren, bei denen sie mit dem Hubschrauber auf den Melchsee gelangen und anschließend durch unberührten Tiefschnee abfahren. „Das Besondere am Freeriden ist, dass jede Spur einzigartig ist“, sagt Claudia. „Man zeichnet seine ganz eigene Linie.“
Für Claudia bedeutet Freeriden vor allem Freiheit und Nähe zur Natur. Diese Begeisterung teilt sie mit Anfänger:innen genauso wie mit erfahrenen Skifahrer:innen. Jede Tour beginnt mit einem persönlichen Gespräch – um Erwartungen, Können und Wünsche kennenzulernen. Von genussvollen Hängen bis zu anspruchsvolleren Abfahrten wird jede Route individuell gewählt.
Gemeinsam werden Ski, Stöcke und Ausrüstung abgestimmt. Breite Freeride-Ski erleichtern den Auftrieb im Tiefschnee, spezielle Stöcke sorgen für mehr Stabilität. Auch Technik spielt eine wichtige Rolle: vom sicheren Einstieg ins Gelände bis zu flüssigen Schwüngen. Mit viel Erfahrung vermittelt Claudia praktische Tipps, stärkt das Selbstvertrauen und hilft, die eigene Fahrweise weiterzuentwickeln.
Sicherheit hat bei Claudia oberste Priorität. Wer ins Gelände geht, braucht nicht nur die richtige Ausrüstung, sondern auch das Wissen, sie korrekt einzusetzen. In ihren Touren erklärt sie den Umgang mit LVS-Geräten, Sonden und Schaufeln und integriert regelmäßige Sicherheitstrainings.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Tourenplanung und der Einschätzung der Lawinenlage. Vor jeder Tour informiert Claudia ausführlich über aktuelle Bedingungen, Hangexposition und mögliche Risiken. Besonders wichtig ist ihr dabei, dass sich Gäste niemals unter Druck gesetzt fühlen: „Wenn Zweifel bleiben, ist es immer richtig, umzudrehen oder mit einem erfahrenen Guide unterwegs zu sein.“
Eine ganz besondere Tour ist Claudias Drei-Wannen-Tour in Faschina. Vom Vierersessel aus geht es mit den Skiern am Rucksack zunächst Richtung Glatthorn. Der Anstieg ist ruhig, Schritt für Schritt. „Für mich ist jede dieser Touren ein Highlight – besonders, wenn man am Grat steht und der Blick frei wird“, erzählt sie.
Die rund zweistündige Route führt durch unberührte Hänge, fernab von Liften und Pisten. Dank Lage und Routenwahl fühlt man sich hier oft weit weg vom Skigebiet – mitten in einer Landschaft, die still und kraftvoll zugleich ist.
Auch im Sommer begleitet Claudia ihre Gäste in den Bergen. Sie arbeitet als Wanderführerin und ist Teil der Bergschule Kleinwalsertal. Besonders beliebt sind Mehrtagestouren, bei denen nicht nur das Ziel, sondern der Weg selbst im Vordergrund steht. Mal übernachten die Gruppen in Hütten, mal in kleinen Unterkünften im Tal – das Gepäck wird transportiert, der Kopf wird frei.
Viele Gäste erleben diese Wanderungen als bewusste Auszeit. „Es geht darum, neue Perspektiven zu entdecken – draußen und auch in sich selbst“, sagt Claudia.
Die Berge fordern nicht nur den Körper, sondern auch den Geist. Reflexion, Stille und Achtsamkeit gehören für Claudia genauso dazu wie Bewegung. „Am Ende des Tages zu sehen, dass Menschen mit einem Lächeln zurückkommen – das erfüllt mich“, erzählt sie.
Oft nehmen sich die Gruppen Zeit für einen gemeinsamen Abschluss: Was war herausfordernd? Was hat überrascht? Diese Gespräche runden das Erlebnis ab und hinterlassen Inspiration, die über die Tour hinauswirkt.
Für Claudia ist die Arbeit in der Natur nicht nur Beruf, sondern Berufung. Auch in Zukunft möchte sie Menschen für die Berge begeistern – geerdet bleiben, gesund bleiben und die Freude an der Bewegung teilen. Ihr Wunsch: die Liebe zur Natur weiterzugeben und andere zu ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen.
Mit Offenheit, Erfahrung und Begeisterung startet Claudia in jede neue Saison – bereit für neue Begegnungen, neue Spuren und neue Geschichten.